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Walter-Gropius-Berufskolleg

 Technische Schule der Stadt Bochum

 Berufliches Gymnasium

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Schüler gegen das Vergessen!

In der vergangenen Woche fand zum ersten Mal am Walter-Gropius-Berufskolleg eine freiwillige Studienfahrt nach Polen statt, an der 25 Schülerinnen und Schüler der Klassen 11 und 12 des Beruflichen Gymnasiums teilnahmen. Abfahrt war Mittwoch um 22 Uhr am Bochumer Hauptbahnhof. Drei komplette Tage waren wir unterwegs, am 4. Tag, Sonntag, wurde früh morgens die Rückreise angetreten. Im Folgenden wird die Fahrt aus der Perspektive einiger Teilnehmerinnen und Teilnehmer geschildert.

Dzien dobry!

Am ersten Tag, nachdem wir nach einer Nachtfahrt in Krakau angekommen waren, nahmen wir an einer Stadtführung teil. Der Guide führte uns zuerst durch das jüdische Viertel und berichtete von dessen Entstehung. Danach gingen wir bei strahlendem Sonnenschein durch die Altstadt, um das Schloss Waweł, welches als politscher Mittelpunkt diente, zu besichtigen. Nach einer aufschlussreichen Stadtführung, ließen wir den Abend mit einem traditionellen polnischen Essen, Piroggen, ausklingen.

Wir fuhren am nächsten Morgen früh weiter in die Stadt Oświęcim und bezogen die Internationale Jugendbegegnungsstätte (IJBS), um gegen 11 Uhr eine Führung durch den ersten Teil des Auschwitz- Komplexes, dem Arbeitslager, zu machen. Der Guide verschaffte uns zunächst einen Überblick über die anfängliche Geschichte des Lagers. Mit einem etwas mulmigen Gefühl gingen wir durch das Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“, da wir wussten, dass die meisten Menschen, die damals durch dieses Tor gegangen waren, es nicht mehr lebend verlassen durften. Anschließend schauten wir uns die Ausstellungen in den einzelnen Baracken an. Das Leiden der Häftlinge wurde uns durch Fotografien, Zitate und Geschichten von einigen Einzelschicksalen vor Augen geführt. Hinter Glas konnten wir Räume gefüllt mit unvorstellbaren Massen von Menschenhaaren, welche den Häftlingen bei der Ankunft im Lager abrasiert wurden, Koffern, Kinderschuhen und weiteren persönlichen Habseligkeiten sehen, wonach wir erst einmal eine kurze Pause benötigten, um das Gesehene zu verarbeiten. Nach der Besichtigung der israelischen Ausstellung, welche sehr bewegende Filme, Erfahrungsberichte und Installationen zeigte, wurden wir auch durch eine Gaskammer geführt, in welcher viele Menschen ums Leben gekommen sind. Nach 4 sehr aufwühlenden Stunden machten wir uns auf den Rückweg in die IJBS. Durch diese erste Führung bekamen wir einen sehr ausführlichen sowie erschreckenden Einblick in den Alltag des Lagers. Einige Mitschüler beschrieben ihre Eindrücke folgendermaßen:

Durch die Führung ist mir die zynische Behandlung der Häftlinge in Form von ironischen Sprüchen wie ‚Arbeit macht frei‘ klar geworden, welche zusätzlich zu den körperlichen Misshandlungen eine starke Belastung darstellte." – Lukas

"Die Leute wurden mit brutalen Methoden bestraft und viele Häftlinge wurden für unvorstellbare Verbrechen ausgenutzt, beispielsweise als Versuchskaninchen für Dr. Mengele.“ – Sandro, Adrian

"Ich war schockiert, dass sich viele große Firmen an der Ausbeutung der Häftlinge, die oft den Tod zufolge hatten, beteiligt haben." – Emeli

Nach einer Besprechung der ganz persönlichen Erfahrungen und Emotionen innerhalb der gesamten Gruppe besichtigten wir die Kunstaustellung des überlebenden Häftlings Marian Kołodziej und erhielten einen umfassenden Eindruck von der psychischen Belastung, die das Lager auf die Insassen ausübte. Dabei funktionierte die Bildkommunikation hervorragend, doch ohne die Führung im Voraus durch das Lager hätten uns wichtige Zusammenhänge für das Verstehen einiger Symbole gefehlt.

Die Kunstaustellung war überwältigend. Die vielen Bilder des Künstlers zeigten all die schrecklichen und angestauten Emotionen in purer Form, was einem eine noch stärkere Verbundenheit zu der damaligen Geschichte bot.“ – Diana

Im Anschluss ließen wir den Abend bei gutem Essen und viel befreiendem Gelächter ausklingen, was nach den vielen schrecklichen Eindrücken einfach notwendig war.

Schon früh brachen wir am letzten Tag zum Vernichtungslager Auschwitz - Birkenau auf. Dort wurden die Ausmaße der systematischen Massenvernichtung auf dem riesigen Gelände deutlich, dessen Größe schon fast surreal wirkte. Neben mehreren zerstörten Krematorien waren noch einige Baracken erhalten geblieben, in welchen Menschenmassen unter unvorstellbar schlechten Bedingungen leben mussten. Außerdem wurde uns wieder durch Zitate, Bilder und kurze Geschichten die Lage der Häftlinge vor Augen geführt. Dabei wandelten wir wortwörtlich auf den Spuren der zumeist Verstorbenen und konnten gegen Ende der Führung auf beeindruckenden und sehr bewegenden Fotowänden sehen, wie die Opfer Birkenaus vor ihrer Deportation gelebt haben, Fotografien aus glücklichen und unbeschwerten Zeiten sowie aus ihrem familiären Alltag.

Birkenau, sprich Auschwitz zwei, ist im Vergleich zu Ausschwitz eins wesentlich großflächiger und weitläufiger. Wir gingen entlang der Ruinen und der Baracken. Ich persönlich empfand die Atmosphäre als nicht ganz so bedrückend wie in Ausschwitz eins, im Vergleich fehlte einem dort der Bezug zu den unvorstellbaren Massen an Opfern.“ – Ugur

"Birkenau zeigte mir, unter welchen Umständen die Menschen dort leben mussten, dass sie zum Beispiel keinerlei Privatsphäre hatten. Zudem wurde mir klar, auf welche grausame Weise Familien getrennt worden sind.“ – Sandro

"Die hygienischen Bedingungen waren unerträglich. Man kann sich kaum vorstellen, wie es Wenigen dennoch gelang, länger als drei Wochen zu überleben. Es war grausam, dass die Häftlinge bereits nach wenigen Tagen an chronischem Durchfall litten und nicht einmal auf die ‚Toilette‘ gehen durften." – Emeli

An diesem Abend gingen wir, nachdem wir wieder innerhalb unserer Gruppe die Tageseindrücke in einem uns zugeteilten Seminarraum reflektieren konnten, zum gemeinsamen Burgeressen und verbrachten danach den Abend mit Tischtennis-Rundlauf, Gitarre und Klavierspielen sowie Gesellschaftsspielen. Nach so vielen traurigen und schockierenden Erlebnissen tat es gut, miteinander zu lachen und sich mit ganz anderen Dingen zu beschäftigen.

Am folgenden Morgen reisten wir früh ab und kamen gegen 21 Uhr erschöpft, aber um viele wertvolle Erfahrungen reicher, am Bochumer Hauptbahnhof an.

Zusammenfassend war dies eine emotionale, interessante und lehrreiche Fahrt, welche man in Worten nicht ausreichend beschreiben kann. Es ist nur zu empfehlen, diese Erfahrung zu machen.

Dowiyziena!

Auch aus Lehrerperspektive lässt sich festhalten, dass die Fahrt ein voller Erfolg war. Die Schüler haben sich stets vorbildlich verhalten und es war schön zu sehen, dass ein großes Interesse an dem Thema bestand. Auch wenn die Studienfahrt ein straffes und teilweise auch sowohl psychisch als auch physisch anstrengendes Programm umfasste, war die Gruppe ohne Ausnahme interessiert und motiviert. Obwohl 4 verschiedene Stufen, Klassenteile der 11 und 12 mit gestaltungstechnischem Schwerpunkt und Teile der Klassen 11 und 12 mit elektro- bzw. bautechnischem Schwerpunkt an der Studienfahrt teilgenommen haben, konnte erfreulicherweise festgestellt werden, dass die Gruppe während der kurzen Zeit immer enger zusammenrückte und viele neue Freundschaften entstanden.

Die Schülerinnen und Schüler haben sehr viel aus dieser Fahrt gelernt und sind sich der Ausmaße dieser unaussprechlichen Verbrechen bewusst geworden. In unseren Reflexionsrunden hat sich gezeigt, dass alle sehr bewegt von den verschiedenen Erlebnissen waren und an den gemeinsamen Erfahrungen gewachsen sind. Die Gruppe ist sich darüber einig, dass es eine Pflicht für jede Schülerin bzw. jeden Schüler darstellen sollte, diesen Ort des Schreckens zu besuchen, um das Vergessen der Verbrechen im zweiten Weltkrieg zu verhindern und ihr Wissen darüber weiterzutragen.

Wir sind sehr glücklich darüber, dass wir unseren Schülerinnen und Schülern diese Erlebnisse bzw. diese Studienfahrt auch mit Hilfe finanzieller Unterstützung der Stadt Bochum sowie von der Partnerschaft für Demokratie Bochum „Farbe bekennen, Demokratie leben“ ermöglichen durften und wir ihnen somit wichtige Erfahrungen für ihre Zukunft mitgeben konnten.

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