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Mit Erasmus+ nach Spanien: „Valencia, liebe(s) Valencia mein …“
Werner Sommerkorn, Lehrkraft für Holztechnik am Walter-Gropius-Berufskolleg, berichtet über seinen Valencia-Aufenthalt im Rahmen eines Erasmus-Projektes:
Sie kennen das, dieses fröhliche und witzige Kinderlied, im traditionellen Walzer-Takt komponiert, welches in Herkunft von Text und Melodie ja dem niederrheinischen Kulturkreis zuzuordnen ist und erstmalig in „Die deutschen Volkslieder mit ihren Singweisen“ im Jahr 1843 veröffentlicht wurde. „Laurentia, liebe Laurentia mein, wann werden wir wieder zusammen sein? …“ Genau an dieses Lied musste ich denken, als mir die verantwortungsvolle Aufgabe übertragen wurde, für unsere Homepage einen kleinen Bericht zu schreiben.
Und da am Sonntag mein traditioneller „Zuhausebürotag“ ist, habe ich mich mit dem nötigen zeitlichen Abstand zu unserer Ausbilderreise am heutigen Sonntag auf den digitalen Schreibweg gemacht. Und wie sagte schon einst Goethe, Erfolg hat 3 Buchstaben: MACHEN. Stimmt zwar jetzt nicht ganz, ist aber trotzdem richtig. Denn der Erfolg einer Reise stellt sich ja erst dann ein, wenn man sich getraut hat, sich auf den Weg zu machen. So kam es also, dass wir uns über das Programm Erasmus+ auf den Weg nach Valencia gemacht haben, um das spanische Bildungssystem kennen zu lernen. Wir, das waren 4 Lehrerinnen und Lehrer sowie 4 Ausbilder mit eigenen Tischlereien aus Bochum und Unna. Komplettiert wurde das Ganze durch unsere Begleiterin und Verantwortliche für Auslandsaufenthalte von Azubis, Fachkräften und Betrieben bei der Handwerkskammer Dortmund, Svenja H. Und sie hatte schon in der Nacht der Anreise zum Flughafen ordentlich zu tun, da die erste fröhliche Nachricht am Anreisetag direkt nach dem Wecken um 01.20 Uhr in der Nacht per SMS von der Lufthansa kam, mit dem beruhigenden Text „Flug gecancelt, vielleicht gibt es aber die Möglichkeit mit dem Zug nach Frankfurt zu reisen, viel Glück …“. Na toll, das geht ja gut los, dachte ich noch, wurde aber am vereinbarten Treffpunkt am Düsseldorfer Flughafen darüber informiert, dass Svenja aus dem Auto heraus die Flüge umbuchen konnte. Toll! Und genauso sensationell war auch die restliche Betreuung der bunten Reisegruppe in den Tagen danach in Valencia. Liebe Svenja, vielen Dank dafür!
So gelang es uns also über einen Zwischenstopp in München mit Weiterflug nach Valencia um 13.00 Uhr im Hotel zu sein. Nach einem Begrüßungsgetränk, Einchecken ins Zimmer und kurzer Erholungspause haben wir den Rest des Tages dazu genutzt, Valencia und vor allen Dingen uns selbst besser kennenzulernen. Der nächste Tag begann dann mit einer Kurzeinführung in das spanische Bildungssystem durch Manuel, unseren spanischen Kontakt vor Ort.
Im Anschluss daran haben wir zwei Tischlerfirmen besucht, in denen jeweils eine Schülerin und drei Schüler des Walter-Gropius-Berufskollegs gerade zeitgleich ein dreiwöchiges Praktikum über Erasmus+ absolvierten. Diese berichteten uns begeistert von ihren Erfahrungen in diesen Betrieben. Unterschiede zu deutschen Firmen wurden von allen sowohl positiv als auch kritisch beurteilt. Der Umgang untereinander in diesen Betrieben ist, wie überhaupt die ganze Lebensart der Spanier, immer sehr entspannt. Gleichzeitig wurde angemerkt, dass bestimmte Aspekte aus Sicht der deutschen Holz-Berufsgenossenschaft (HBG) vermutlich kritischer beurteilt würden. Insgesamt zeigte sich jedoch, dass jede Arbeitskultur ihre eigenen Stärken und Besonderheiten mit sich bringt.
In der ersten Firma, die wir besichtigten, wurden Möbel restauriert. Ein Umstand, der mich sofort ins Grübeln brachte, wie man damit finanziell überleben kann, hatte ich schließlich selbst eine Dekade meines Lebens genau damit verbracht, nämlich mit teilselbstständiger Möbelrestaurierung. Doch dann erfuhr ich, dass in spanischen Betrieben zwar erst um ca. 8.30 Uhr mit der Arbeit angefangen, jedoch nach der anderthalbstündigen Siesta noch bis 20.00 Uhr weitergearbeitet wird. Unsere Praktikanten waren von der zweiten Schicht jedoch befreit. Dies ließ ihnen noch genügend Freiraum, um die Stadt und ihre Besonderheiten sowie das spanische Leben kennenzulernen. Und eines dieser Glanzlichter, der Besuch einer Rooftop Bar im 8. Stock am Zentrumsplatz, wurde uns als Tipp doch sehr ans Herz gelegt. Selbstverständliche sind wir diesem gefolgt. Und der Blick über Valencia-Stadt, einfach sagenhaft! Ein bisschen Kultur muss schließlich auch sein. Diesen Spaß haben wir uns durch einen vorherigen Besuch bei der hiesigen Berufsschule für Holzberufe schwer verdient. Bei dieser ca. zweistündigen Führung konnten wir einen guten Eindruck von der Struktur der schulischen Berufsbildung Spaniens bekommen. Diese läuft in aller Regel schulisch ab. Und die zweite Praktikumsfirma stand ja auch noch auf dem Programm für diesen Tag.
In dieser Firma wurden hauptsächlich Holzfiguren für das jährlich stattfindende Fallas-Fest produziert. Las Fallas ist ein spektakuläres, mehrtägiges Volksfest in Valencia (UNESCO-Weltkulturerbe, meist 15. – 19. März) zu Ehren des Heiligen Josef, das den Frühling begrüßt. Die riesigen Holz- und Pappmaché Figuren (Fallas), die satirische Szenen darstellen, werden in dieser Zeit in der ganzen Stadt verbrannt. Neben dem Bau von Holzfiguren, die abschließend verbrannt werden, ist diese Firma auch im Bereich des Innenausbaus tätig.
Am darauf folgenden Freitag haben wir zwei weitere Tischlerfirmen besucht. Dies waren eine Bootsbaufirma und ein Geigenbauunternehmen. In dem Geigenbauunternehmen konnten wir uns dann noch mit einer deutschen Praktikantin aus Rheinland-Pfalz, die nach ihrer Ausbildung zur Tischlerin in Valencia noch ein achtmonatiges Praktikum über Erasmus+ anschließt, sehr intensiv austauschen. Der Besuch einer weiteren technischen Berufsschule rundete diesen Tag dann ab. Alle Aspekte des spanischen Ausbildungssystems wurde damit bedient.
Der Abend war - wie immer - einem gemeinsamen Abendessen vorbehalten, der neben der reinen Nahrungsaufnahme auch stets intensive Sozialstudien beinhaltete, die zu weitreichenden interkulturellen Kompetenzen führten.
Nach einer gemeinsamen Evaluation der Ausbilderreise zusammen mit Manuel wurde der Samstag dann ausschließlich für kulturelle Aktivitäten (Stadtführung, Besichtigung des Wissenschaftsparks etc.) genutzt. Wir erkundeten auf intensive Weise das Leben der Stadt. Alle Eindrücke, die wir auf dieser Bildungsreise gewinnen konnten, werden in die Vorbereitung unserer Auszubildenden auf Auslandspraktika in Spanien einfließen!
Am nächsten Tag ging es dann schließlich zurück nach Deutschland. Und, man glaubt es kaum, völlig unproblematisch. Da kann man nur sagen: „Thank you for travelling with Lufthansa und Deutsche Bahn.“
Die Quintessenz dieser Ausbilderreise lässt sich für mich so zusammenfassen: In Deutschland wird das duale Ausbildungssystem mitunter kritisch betrachtet – zugleich ist es in vielen Nachbarländern ein Modell, das man sich in dieser Form wünschen würde.
Das Ausbildungssystem in Spanien ist – wie in vielen anderen Ländern – überwiegend schulisch organisiert. Das bringt durchaus Vorteile mit sich, spiegelt sich jedoch nicht immer durchgängig in der praktischen Ausbildungsqualität wider.
Gerade dieser Perspektivwechsel eröffnet einen neuen Blick auf die eigene berufliche Ausbildung. Davon profitieren auch unsere Auszubildenden im Rahmen ihrer Auslandspraktika – ebenso wie von den vielfältigen Eindrücken der besonderen Lebensart unserer Nachbarn.
Und um das Rätsel von Goethes Sinnspruch aufzulösen, die 3 Buchstaben für Erfolg sind natürlich T U N. Aber machen muss das schon jeder selber.





